Die meisten Menschen wollen zu Hause alt werden. Fast neun von zehn Pflegebedürftigen in Nordrhein-Westfalen werden auch dort versorgt (IT.NRW, Pflegestatistik 2023). Zu Hause bleiben heißt aber nicht automatisch: unter Menschen bleiben.
Warum Einsamkeit im Alter zunimmt
Der Partner stirbt, Freunde werden weniger, die Beine tragen nicht mehr bis zur Bushaltestelle, das Hören wird schwerer. Jeder dieser Schritte ist für sich klein. Zusammen führen sie dazu, dass Tage vergehen, ohne dass jemand klingelt.
Das Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung (2024) zeigt: Ältere und jüngere Menschen sind am häufigsten von Einsamkeit betroffen. Die Studie „Hohes Alter in Deutschland“ nennt für Menschen über 80 in Privathaushalten rund zehn Prozent, die sich einsam fühlen; ab 90 Jahren ist es mehr als jeder Fünfte (Deutsches Zentrum für Altersfragen, Erhebung 2021). Einsamkeit ist dabei kein Gefühl, das man einfach aushält. Sie schadet Schlaf, Appetit, Bewegung und Stimmung – und damit genau dem, was Menschen zu Hause selbstständig hält.
Der Wochenrhythmus: Der Dienstag bekommt wieder einen Namen
Struktur ist das einfachste Mittel gegen Einsamkeit, und es wird am meisten unterschätzt. Wer weiß, dass montags, mittwochs und freitags um neun jemand kommt, hat drei Fixpunkte in der Woche. Dazwischen gibt es Gründe aufzustehen: Was besorgen wir am Mittwoch? Was kochen wir am Freitag?
Deshalb kommen wir nicht „mal eben“ für eine Stunde, sondern mehrere Stunden an festen Tagen. Und möglichst immer dieselbe Person. Aus Alltagshilfe wird so eine Beziehung, keine Dienstleistung.
Soziales ist Teil jedes Einsatzes
Bei uns gibt es keine Trennung zwischen „Haushalt machen“ und „Betreuung“. Beides passiert gleichzeitig. Beim Kochen wird erzählt. Beim Einkaufen auf dem Markt grüßt man den Gemüsehändler, der seit zwanzig Jahren die gleiche Kiste Äpfel hat. Beim Spaziergang trifft man die Nachbarin, die man seit dem Winter nicht gesehen hat.
Dazu gehört auch, Kontakte wieder in Gang zu bringen: das Telefon so einrichten, dass die Enkelin mit einem Knopfdruck erreichbar ist. Eine Liste schreiben: Wen rufen wir diese Woche an? Eine Geburtstagskarte kaufen und zur Post bringen. Zum Seniorentreff begleiten, zum Gottesdienst, zum Friedhof.
Nachbarschaft als Teil der Lösung
Alltagshilfe ersetzt keine Nachbarn. Sie kann aber helfen, dass es wieder welche gibt. Wer in der Woche einmal mit uns durchs Viertel geht, wird gesehen. Wer gesehen wird, wird gegrüßt. In Nordrhein-Westfalen kann außerdem ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden (Anerkennungs- und Förderungsverordnung NRW, § 11). Wir sehen das nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung: Wir übernehmen die festen Stunden, die Nachbarin den kurzen Blick am Sonntag.
Was wir dabei übernehmen
Ein Einsatz, bei dem Soziales im Mittelpunkt steht, könnte so aussehen – drei Stunden, dreimal pro Woche:
- 1 Stunde Einkauf auf dem Markt oder im Viertel – zusammen, zu Fuß oder mit dem Auto, mit Zeit für ein Gespräch am Stand.
- 1 Stunde gemeinsam kochen und essen – zu zweit schmeckt es besser, und es wird mehr gegessen.
- 1 Stunde Soziales – Spaziergang, Besuch bei einer Freundin, Telefonate mit der Familie, Fotos, Karten spielen.
Dazu nach Absprache: Begleitung zu Seniorentreff, Kirche oder Friseur, Hilfe beim Vorbereiten eines Geburtstags, Kontakt zu Nachbarschaftshilfe, Ehrenamt oder Besuchsdiensten vor Ort – und ein fester Wochenplan, der bei Ihnen zu Hause hängt.


