Willich. „Viele alte Menschen werden immer einsamer“, sagt Bettina. „Allein deswegen ist es so sinnvoll, wenn wir wenigstens einmal die Woche da sind. Oft sitzen die Leute schon an der Tür und warten auf uns und freuen sich.“ Bettina ist Alltagshelferin bei Haushaltshelfer Niederrhein in Willich-Neersen. Mehrere Stunden am Stück, an festen Tagen, kommt sie zu Menschen, denen der Alltag schwerfällt: Einkaufen, Kochen, der Wäscheberg, ein Spaziergang, Hilfe beim Waschen und Anziehen. Und immer: ein Gespräch. „Die bekommen von uns nicht nur die körperliche Unterstützung, sondern vor allem die seelische.“
Ihre Kollegin Brigitte ist 60, Mutter von vier erwachsenen Kindern, und hat sich für die letzten Berufsjahre noch einmal neu orientiert. Den Ausschlag gaben die eigenen Eltern und Schwiegereltern, beide Paare in hohem Alter. „Wir haben uns als Kinder immer gewünscht, dass sie gute Unterstützung bekommen und so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben dürfen. Genau da wollte ich ansetzen.“ Heute sagt sie: „Ich habe noch nie in meinem Leben einen so dankbaren Job gemacht. Es kommt so viel zurück.“
Entlastung für die ganze Familie
Wer sich um Mutter oder Vater kümmert, zahlt oft einen stillen Preis: Arbeit, eigene Familie, Fahrten, Behördenpost, und nachts die Sorge. „Viele Angehörige sind mit der Situation schlicht überfordert“, sagt Bettina. „Ich habe oft erlebt, dass die Kinder entspannter waren, wenn sie wussten: Ein- oder zweimal die Woche kommt jemand von uns, hilft Mama oder Papa oder lässt sie einfach mal reden.“ Die Alltagshelferinnen ersetzen keinen Pflegedienst und keinen Arzt. Sie ergänzen sie, begleiten auf Wunsch auch eine 24-Stunden-Kraft, und sie merken früh, wenn etwas nicht stimmt.
Nicht übers Geld nachdenken, sondern über die Hilfe
Zum Jahreswechsel steht die Pflegereform an, und viele Familien fragen sich, was von den Leistungen bleibt. Anna-Christin Thedens, Geschäftsführerin von Haushaltshelfer Niederrhein, erlebt dabei ein Missverständnis immer wieder: „Das Pflegegeld ist kein Zuschlag zur Rente. Es ist dafür da, dass Hilfe ins Haus kommt.“ Wer mit Pflegegrad Alltagshilfe nutzt, zahlt in den meisten Fällen nicht aus eigener Tasche, die Pflegekasse beteiligt sich. „Ein paar Euro mehr oder weniger machen am Ende nicht den Unterschied. Verlässliche Hilfe schon.“ Und die, betont Thedens, werde es auch nach der Reform geben: in diesem Jahr, im nächsten und danach.
Denn die Alternative ist teuer, in jeder Hinsicht. Ein Heimplatz kostet heute Zuzahlungen, die viele Familien kaum stemmen können. Vor allem aber kostet er das, was mit keinem Betrag aufzuwiegen ist: das eigene Zuhause. Der Platz, an dem man jede Schublade kennt, jeden Nachbarn, jeden Weg zum Bäcker. Da, wo man die letzten Jahrzehnte verbracht hat und nicht weg möchte. Dafür arbeiten am Niederrhein wie überall in Deutschland Menschen wie Brigitte und Bettina, Tag für Tag.
Bettina denkt dabei auch an sich selbst. „Bei mir sind das noch gut 30 Jahre. Wie wird es dann aussehen? Gibt es solche Dienste dann noch, oder tanzt ein Roboter um uns herum, dem die Menschlichkeit fehlt?“ Sie lacht kurz, dann wird sie ernst: „Ich gehe jeden Tag zur Arbeit und denke: Irgendwann bin ich das.“
Alltagshilfe zu Hause. Haushaltshelfer Niederrhein hilft Seniorinnen und Senioren und allen, denen der Alltag gerade schwerfällt: Haushalt, Einkaufen, Kochen, Gesellschaft, Begleitung. Mehrere Stunden am Stück, an festen Tagen, mit einem vertrauten Gesicht. Mit Pflegegrad beteiligt sich die Pflegekasse an den Kosten, mit ärztlicher Verordnung die Krankenkasse. Beratung kostenlos und unverbindlich: 02156 974907-7, Mo–Fr 8 bis 17 Uhr.
Dieser Text ist unsere Fassung des Beitrags.
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